Gunthild

Gerling-Weidlich

Studium des Sozialwesens

Ich lebte mit im heilpädagogischen Kinderheim meines Mannes. Durch meine Hornmusik erfuhr ich eine intensive Wertschätzung.

Mich interessierten die Schicksale, unter denen viele Kinder zu leiden hatten. Die Musik im Orchester stärkte jeden Einzelnen mit heilender Wirkung.

 

Es reizte mich, mehr über neurotische Erkrankungen und Verhaltensstörungen zu erfahren und die Heilungschancen zu unterstützen. Als pädagogische Mitarbeiterin wurde ich zunächst aktiv. Das reichte mir nicht. Ich wollte mehr: 

Berufsbegleitend studierte ich in den Niederlanden Sozialpädagogik.

(Das Thema meiner Diplomarbeit siehe Unterseite)

 

Dann wurde das Kinderheim geschlossen. Neid und Intrigen sowie Falschaussagen zerstörten das Lebenswerk meines Mannes und meinen Traum, die erfolgreiche Pädagogik fortsetzen zu können.

Wer mehr über diese Pädagogik und dieses Drama erfahren möchte, möge die Bücher "Stärker als Rache", "Gefangen im Fadenkreuz der Justiz" und "Getrieben. Adoptiv-Knilch packt aus" lesen.

 

Ich selbst stand vor der Aufgabe, eine andere Beschäftigung zu finden, die einerseits unseren Lebensunterhalt zu sichern vermochte und mit der ich andererseits nachweisen konnte, 20 Stunden in einer sozialen Einrichtung tätig zu sein, die entscheidende Voraussetzung, um mein berufsbegleitendes Studium zuende führen zu können.

Also gründete ich das FSL-Institut, das von der

Fachhochschule anerkannt wurde, und konnte somit das Studium mit meiner Diplomarbeit  erfolgreich abschließen.

 

Neben zahlreichen Kellner-Aushilfs-Tätigkeiten und einem megaaufreibenden Job in einer Soccer-Halle wurde ich als Altenbetreuerin von einem Hilfswerk eingesetzt:

Eine völlig neue Erfahrung machte ich mit einer älteren, stark dementen Dame. Als ich hörte, wie sie immer noch Volkslieder auf ihrem Klavier spielen konnte, fehlerfrei, und  sie verinnerlicht hatte, dass ich zu ihren Liedern mitsingen konnte, schloss sie mich in ihr Herz.

Schnellstens besorgte ich mir Fachliteratur, um dieser weitreichenden Aufgabe gewachsen zu sein. Immer wieder ertappte ich mich, mehr intuitiv zu reagieren. Irgendwie schien mein Verhalten richtig anzukommen, denn sie strahlte, wenn sie mich sah, sie meckerte mich nicht an, sie ließ sich betütteln und zu Bett bringen, fast immer mit einem Lied auf den Lippen.

Das Schönste war, wenn wir beide, Arm im Arm, um die Häuser zogen, lauthals Wanderlieder oder Abendlieder oder Kinderlieder sangen, und andere ältere Herrschaften hinter uns herschauten, mitleidig, aber auch neidvoll anerkennend!

Seit mittlerweile zehn Jahren  nehme ich die Aufgabe wahr, Jugendliche wie junge Erwachsene  in einem Berufsbildungswerk intensiv zu begleiten, zuerst im Internat, dann im Sozialdienst und nun als Case-Managerin.

Diese Tätigkeit erfüllt mich mit Freude und Optimismus, wenn ich sehe, wie viele unserer Rehabilitanden trotz ihrer Lernschwächen die Ausbildungsziele erreichen und in festen Arbeitsverhältnissen ihren Lebensunterhalt verdienen.

 

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p; Gunthild Gerling-Weidlich